
Haltung
Naturgärten sind gebaute Landschaft.
Kein Dekor aus der Baumschule. Ein Garten, der an den Ort gebunden ist: Boden, Licht, Wasser, und die Flora Hessens.
Flora
Was „heimisch“ hier heißt
Wir setzen nur Arten, deren Vorkommen in Hessen mindestens dreitausend Jahre zurückreicht — nacheiszeitlich etablierte Flora, keine Archäophyten der Römerzeit, keine Neophyten nach 1492. Der Filter ist streng, weil Insekten Generationen brauchen, um eine Pflanze zu nutzen.
Kirschlorbeer, Thuja, Forsythie: der Wunsch ist verständlich. An ihre Stelle treten Liguster der Wildform, Hainbuche, Schlehe, Wiesensalbei, Dost — dieselbe Aufgabe, die Art aus Hessen.
Pflege
Mager, spät, unaufgeräumt
Eine Wiese wird ein- bis zweimal gemäht, das Mähgut abgeräumt. Hecken werden abschnittsweise auf Stock gesetzt, nicht jährlich in Form geschoren. Laub bleibt unter Gehölzen. Totholz bleibt liegen.
Das ist kein Verzicht auf Gestaltung. Wege, Sitzplätze und Mauern sind klar gesetzt. Der Rest darf sich staffeln — von der Magerrasenfläche zum Waldmantel.
Raumtypen
Fünf Bilder eines Grundstücks
01
Magerrasen
Abgeschobener Oberboden, regionales Mähgut, Zittergras und Salbei. Ein Mahdweg hält die Fläche begehbar.
02
Wildhecke
Drei Reihen: Schlehe, Weißdorn, Rose, Hartriegel, Holunder. Davor Krautsaum, dahinter Totholzriegel.
03
Waldgarten
Schatten unter Bestand. Geophyten im Frühjahr, Immergrün und Waldmeister als Teppich, keine Folie.
04
Feuchtbiotop
Flachtümpel ohne steile Folienkante. Seggen, Mädesüß, Blutweiderich. Wasser vom Dach oder Stauhorizont.
05
Saum
Der wichtigste Meter im Garten: Übergang von Wiese zu Hecke. Dort sitzen die meisten Arten.

Vom Plan zur Pflanzung
Zuerst der Ort: Bodenprobe, Licht, Nachbarschaft, vorhandener Bestand. Dann die Artenliste aus dem Verzeichnis. Dann der Bau — Wege und Mauern, bevor gepflanzt wird.
